Schweden: Tag 5

 Mit Frühstück und negativem Coronatest starteten wir in einen verregneten Donnerstag.


Unsere erste Klasse wollte erst gar nicht auftauchen und eine Schülerin nahm wegen Corona sogar online Teil. Wir hatten eine kleine Gruppe von 5 Mann. Auch hier haben wir unsere Heimat vorgestellt. Um ehrlich zu sein: Spätestens jetzt nerven uns die Vorträge ein bisschen. So oft, wie wir sie schon halten mussten, können wir unseren Text mittlerweile auswendig. Aber die Schülerinnen waren sehr nett und aufgeschlossen und haben sich sehr gefreut. Sachsen sei eine schöne Gegen und man müsse unbedingt mal nach Deutschland kommen. Im Anschluss an die Stunde durften wir auch mal ein paar schwedische Vokabeln und Phrasen gelernt. Damit es für euch nicht so leicht wird, sind sie nicht auf Deutsch übersetzt worden. Also viel Spaß beim Rumrätseln und kommentiert gern eure Antworten! In dieser Stunde haben wir auch das Rätsel rund um den Namen Nyköping gelüftet bekommen. Ausgesprochen wird es "Nüschöpping". 'Köpping' bedeutet Marktplatz, also da wo die Bauern früher ihre Ware verkauft haben. Es klingt ein bisschen wie "Shoppen". Und "Ny" bedeutet "Neu". So jetzt seid ihr wieder ein Stück schlauer.



Eine kleine Legende:

Tack                  = Danke                   
Hej                   = Hallo 
Jag heter            = Ich heiße 
mat                  =  Essen
dryck                 = (das) Trinken
Smaklig maltid      = Guten Appetit 

Dann hat uns Herr Pettersson einen kleinen Rundgang durch die Außenstelle der Schule gegeben. Herr Naacke und Sarah durften sich mal an der Orgel ausprobieren und "Fuchs du hast die Gans gestohlen" musiziert.

 


Im Anschluss gab es Mittagessen. Nudelauflauf und als Beilage Bulgur mit Erbsen, Krautsalat oder körniger Frischkäse. Beim Essen wurde sich angeregt über die Unterschiede zwischen den Schulen in Deutschland und Schweden. Herr Naacke hat uns die Idee in den Kopf gepflanzt, diese Meinung doch mal auf Video zu verewigen. Wir schauen mal, wie wir das umsetzen, denn das ist für euch auch sehr interessant. Und es ging mal wieder um Alkohol und Alkohlläden. Damit wären wir auch beim Thema.


So einen Alkohlladen haben wir nämlich auch besucht. In Schweden ist es wirklich sehr sehr streng, was Alkohol betrifft. Drei von uns sind nicht zwanzig Jahre. Wie ihr schon gelesen habt, darf in Schweden Alkohol erst ab zwanzig Jahren verkauft werden. Philipp hat uns (Pauline, Linda Sarah und Nadja) dann von der Kasse weggescheucht, weil sie sonst unsere Ausweise kontrolliert hätten (wir hatten kein Portemonnaie und dementsprechend auch keine Ausweise mit...). Außerdem haben wir nochmal Lidl und Hemköp einen Besuch abgestattet. Eingekauft wurden die Sachen für den "internationalen Kochkurs" und kleine Geschenke für die Gastfamilie. Paula und Nadja werden nämlich von Samstag zu Sonntag mal bei einer schwedischen Familie übernachten. So können wir den Alltag der Schweden beobachten, Interviews führen und Fragen zum Thema Stress stellen.

 

Warum wollten wir eigentlich Alkohol kaufen?

1. Wir hatten vor, am Abend zu grillen. Herr Naacke verlässt uns morgen Mittag und wir wollten nochmal ein bisschen was zelebrieren. Herrn Pettersson und seine Kinder haben wir dazu auch eingeladen. (Näheres bekommt ihr noch zu lesen)

2. Wir wollten testen, wie viel Alkohol so kostet. Und lasst euch gesagt sein, es kostet viel. Unten seht ihr ein Bild, wie viel ein Riesling kostet. In Deutschland fängt so ein Wein bei ca. drei Euro an. Auf dem Bild sind es ungefähr acht Euro. Ist schon krass. Ich denke wir lassen das vielleicht in Zukunft.



Naja, nachdem wir das alles in unserem Quartier verstaut haben. Ging es auf ins Museum in Nyköping. Klingt vielleicht erstmal langweilig, aber lasst euch vom Gegenteil überzeugen. 

Das Museum heißt "Sörmland Museum" und es gab dort verschiedene Ausstellungen, z.B. über die Geschichte von Nyköping oder über die Liebe und was sie ist. Das mehr oder weniger interessant, weil gefühlt 90% der Ausstellung in Schwedisch war.

 

Am Ende ist uns Larissa Borck über den Weg gelaufen. Larissa kommt ursprünglich aus Hamburg und arbeitet in Nyköping im Museum als Kuratorin. Sie hat uns eine kleine Privattour durch das Museum gegeben, auch in die Räume, in die normalerweise nicht so häufig Besucher reingelassen werden. Erst dann wurde es richtig interessant, weil sie uns die Geschichten hinter den Ausstellungsstücken erzählt hat. Und nicht nur das, sie hat uns den Hintergrund und das „Innenleben“ eines Museums mal richtig erklärt. Zusätzlich hat uns Larissa Ausstellungsstücke gezeigt, die zu unserem Thema passen.






Angefangen hat sie bei einem Stück mit der Frage: „Was denkt ihr, was ist das?“ Sarah meinte: „Ein Verband?“ Was war es?

 

Binden

Die Geschichte dahinter:

Eine Studentin aus den 50/60er Jahren ist jeden Monat, als sie ihre Regelblutung hatte, entweder zu Ihrer Mutter nach Haus gefahren, oder hat ihr die Binden per Post zugeschickt. Warum? Damit ihre Mutter die Binden auskochen und ihr wieder zurückschicken konnte. Die Studentin hat sich nicht getraut, die Binden bei sich im Studentenheim auszukochen, weil alle Waschbecken, die es damals dort gab, öffentlich zugänglich waren. Also ist man immer das „Risiko“ eingegangen, dass jemand anders ins Bad kommen konnte, und einen dabei sah, wie man die Binden auswusch.

Was hat das aber jetzt mit Stress zu tun? Die Frauen unter uns werden es nachfühlen können. Manchmal sind wir  uns so unsicher, wo wir unseren Tampon/Binde wechseln können. Und das macht einen fuchsig, weil man denkt jeder könnte jetzt sehen, wie man einen Fleck an der Hose hat. Oder es nervt, weil die Hose schon wieder in die Wäsche muss, obwohl sie frisch gewaschen ist. All das sind kleine Stressauslöser, die einen nicht nur den Tag, sondern manchmal auch die mentale Gesundheit vermiesen können. 

Wir empfehlen euch die Website und auch ein Besuch im Museum lohnt sich sehr. Hier findet ihr den Link zur Website, die Sprache könnt ihr natürlich ändern.

https://www.sormlandsmuseum.se/

Ein weiteres cooles Detail, dass uns ein bisschen neidisch gemacht hat, ist das Wort Friskvård. Es bedeutet so viel, wie dass schwedische Arbeitnehmer, die beim Staat angestellt sind, pro Woche eine Stunde zur Verfügung gestellt bekommen, in der sie sich um ihre mentale Gesundheit kümmern sollen. Das kann man zum Spaziergehen oder zur Massage und vielem mehr benutzen. Oft ist es aber so, dass der normale Arbeitgeber dieses Konzept ebenfalls übernimmt. Ein riesiger Gegensatz zu Deutschland, da es bei uns so etwas so gut wie gar nicht gibt. Hier käme kein Arbeitgeber auf die Idee, seine Beschäftigten fürs „Entspannen“ zu bezahlen.

Unser nächster Punkt ist das Grillen bei Regen und im Dunkeln bei 1° Celsius. Wir fragen uns, wer sich das ausgedacht hat. Um ehrlich zu sein… außer Herrn Naacke und Herrn Pettersson ist unklar, wem es noch gefallen hat. Wir sind also zu einem nahegelegenen Grillplatz gefahren, und haben gehofft, uns dort irgendwo unterstellen zu können, da es wie schon beschrieben geregnet hat. Unerwarteter Weise trafen wir dort auf Gesellschaft. Eine Frau hat sich in dem Unterstand (den wir benutzen wollten!) ein kleines Zelt gebaut und „chillte“ dort (wie Nachforschungen durch Herrn Pettersson ergaben).

Den Mädchen war es wahrscheinlich durchweg kalt, und gegen 21 Uhr war dann das Feuer endlich so weit erloschen, dass wir Würstchen und Brötchen darauf braten konnten. Zum Essen haben wir uns nicht viel Zeit genommen, weil uns allen die Hände sonst erfroren wären. Die Zehen waren schon fast ab. In unserer Unterkunft angekommen haben sich ein paar aufgetaut durch duschen, und viele sind so schnell wie möglich ins Bett gegangen, weil wir alle sehr müde waren.  


So, das war es erstmal für heute. Wir hoffen, dass wir euch ein paar Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden näherbringen konnten. 

Bis morgen!

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